Gesundheitstipp

Leben mit künstlichen Gelenken

04.06.2019

Viele Patienten sind nach einer Gelenksersatzoperation verunsichert, wie sie sich verhalten sollen. Finden Sie hier Tipps für die Zeit nach dem Eingriff, die helfen, den Alltag wieder möglichst beschwerdefrei bewältigen zu können.

Gelenke, die sich im Laufe des Lebens abgenutzt haben, starke Schmerzen, Fehlstellungen, Instabilität und Bewegungseinschränkungen sind die Hauptsymptome für Gelenksersatzoperationen, bei der z. B. künstliche Knie- und Hüftgelenke implantiert werden.

Neben einer schonenden Operationstechnik stehen im Anschluss die Schmerzbehandlung und Beweglichkeit im Vordergrund. Unmittelbar nach der Operation (1 Tag) wird mit der Mobilisation im Krankenhaus begonnen und bei einem nachfolgenden Rehabilitationsaufenthalt die Muskulatur weiter gefestigt.

Gelenksprothese – auf was ist zu achten?

Grundsätzlich entscheidet immer der Operateur die Belastbarkeit und Bewegungslimitationen des künstlichen Gelenks.
Für den Alltag sollten folgende Vorsichtsmaßnahmen beachtet werden:

Frühphase (0 – 6 Wochen):

Beim künstlichen Hüftgelenk sollen bestimmte Bewegungen in den ersten 3 Mo-naten nach der OP vermieden werden, um die Wahrscheinlichkeit der Luxation (Ausrenkung der Hüftprothese) zu mindern.
Das sind vor allem:

  • die Beugung der Hüfte über 90°
  • das Bücken aus dem Sitz
  • die Außendrehung und die Überkreuzung des Beines über die Körpermitte

Generell bei allen künstlichen Gelenken:

  • Bei Schwellung:
    Hochlagerung des betroffenen Gelenks über Herzhöhe, eventuell auch Lymphdrainage
  • Bei Überwärmung:
    Auflegen eines Kühlbeutels oder Topfenwickel (nicht länger als 15-20 Minuten)
  • gezielte Bewegung der angrenzenden Gelenke, also bei Hüft-OP: Knie und Vorfuß
  • ab Entfernung der Nähte: Narbenpflege mit einer Wund-, Narben- oder Fettsalbe

Mittlere Phase (6 Wochen – 6 Monate):

  • Hier ist es wichtig, die kräftigenden Übungen zu verstärken und auch in weiterer Folge gezielten Kraftaufbau anzustreben, um vor allem die Stabilität des Gelenks durch die umgebenden Muskeln zu gewährleisten.
  • Steigerung der Gehstrecke und Abtrainieren der Gehhilfe.

Spätphase (> ½ – 1 Jahr) – Wiedereingliederung in den Alltag:

  • Allgemein ist zu sagen, dass man all das, was man vorher gemacht hat auch nach der OP wieder machen darf, solange es keine Schmerzen bereitet.
  • Extrembelastungen wie z. B. Runterspringen ab 1-2 Meter vermeiden

Tipps für den Alltag mit neuem Hüftgelenk:

  • Polster als Sitzerhöhung und Toilettensitzerhöhungen verwenden
  • beim Schlafen für die ersten 3 Monate auf der nichtoperierten Seite einen Polster zwischen die Beine geben
  • beim Bücken das operierte Bein nach hinten strecken und dann erst nach unten bücken
  • beim Sockenanziehen spezielle Anziehhilfen für die ersten 3 Monate verwenden
  • empfehlenswerte Sportarten mit künstlichen Gelenken sind Schwimmen, Ergometer-Radfahren, Nordic Walking, Langlaufen, Spazieren, Wandern
  • nicht empfehlenswerte Sportarten mit künstlichen Gelenken sind „Kontaktsportarten“ und „Stop and go Sportarten“ wie Tennis, Fußball, Volleyball.

Operation unvermeidbar – Rehabilitation unverzichtbar

4-6 Wochen nach Gelenkersatzoperationen ist die orthopädische Reha, wie sie im Moorheilbad Harbach durchgeführt wird, der beste Weg zurück zu einem beschwerdefreien Alltag! Nach einer umfassenden ärztlichen Erstuntersuchung setzen aktive und aktivierende Bewegungstherapien dabei besondere Schwerpunkte. Unter Anleitung der qualifizierten Physiotherapeuten wird die geschwächte Muskulatur gestärkt und die Beweglichkeit verbessert.

„Muskelaufbau, Gangschulung und Alltagstraining wie Heben, Tragen, Bücken etc. sind die Säulen einer guten Ortho Reha. Neben der physikalischen Therapie gehören zum Reha-Programm psychologische Beratung, Ergotherapie, Rückenschule und Bewegungsberatung, aber auch allgemeine Lebensstilinformationen und gezielte Schmerztherapie. Die Patienten sollen wieder in die Lage versetzt werden, ein eigenständiges Leben zu führen, ihren Beruf auszuüben und am sozialen Leben uneingeschränkt teilzunehmen.“ erklärt Prim. Dr. Püspök, ärztlicher Leiter im Moorheilbad Harbach.

Videotipps

Erhalten Sie in diesem Video weitere Informationen über die Orthopädische Rehabilitation im Moorheilbad Harbach und begleiten Sie eine Rehapatientin während ihres Aufenthaltes.

Folgende Tipps im Video für die Zeit nach dem Eingriff und kräftigende Übungen helfen, den Alltag wieder möglichst beschwerdefrei bewältigen zu können.