Mentaltipp
Wenn der Schmerz bleibt: Das Schmerzgedächtnis verstehen und beeinflussen
Schmerz ist ein lebenswichtiger Begleiter unseres Körpers. Er fungiert als Alarmsystem, das uns vor Verletzungen warnt. Doch was passiert, wenn dieser Alarm nicht mehr aufhört, obwohl die eigentliche Ursache längst verheilt ist?
Was ist das Schmerzgedächtnis?
Ab einer Dauer von etwa drei bis sechs Monaten sprechen Expert:innen von chronischem Schmerz. In diesem Stadium hat der Schmerz seine ursprüngliche Warnfunktion verloren und sich zu einem eigenständigen Krankheitsbild entwickelt.
Unser Nervensystem ist lernfähig – leider auch im negativen Sinne. Durch anhaltende Schmerzreize verändern sich die Nervenzellen strukturell und funktionell: Sie werden empfindlicher und reagieren bereits auf kleinste Reize oder sogar ganz ohne Auslöser. Man spricht davon, dass der Körper ein „Schmerzgedächtnis“ entwickelt hat.
Schmerz ist immer „biopsychosozial“
Im Moorheilbad Harbach betrachten wir Schmerz ganzheitlich. Er ist nie ein rein körperliches Phänomen. Wie wir Schmerz empfinden, hängt von einem Zusammenspiel verschiedener Faktoren ab:
- Biologisch: Bewegungsmangel oder Schonhaltungen können Schmerzen verstärken, während gezielte Heilgymnastik und Entspannungsübungen zur Linderung beitragen.
- Psychisch: Stress, Angst oder negative Gedanken wirken wie ein Verstärker auf das Schmerzgedächtnis.
- Sozial: Einsamkeit und Konflikte belasten, während soziale Unterstützung und angenehme Aktivitäten das Wohlbefinden steigern.
Wege aus der Schmerzfalle: Was Sie tun können
Das Ziel einer modernen Schmerztherapie ist es, die Beeinträchtigung im Alltag so gering wie möglich zu halten. Hier sind drei Ansätze, die Sie direkt ausprobieren können:
- Achtsamkeit statt Fokus: Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit bewusst weg vom Schmerz und hin zum „Hier und Jetzt“. Die 5-4-3-2-1-Übung hilft dabei: Benennen Sie bewusst 5 Dinge, die Sie sehen. 4, die Sie hören. 3, die Sie spüren. 2, die Sie riechen und eines, das Sie schmecken.
- Richtiges Maß an Aktivität: Finden Sie die Balance zwischen Schonung und Überforderung. Sowohl Angst-Vermeidungsverhalten als auch ein übermäßiges Durchhalteverhalten können den Schmerzzyklus aufrechterhalten.
- Bewusste Atmung: Die Bauchatmung (Zwerchfellatmung) versetzt den Körper in einen Entspannungszustand und lenkt die Aufmerksamkeit sanft um.
Unser Tipp: Führen Sie ein Schmerztagebuch, um herauszufinden, welche Tätigkeiten oder Gedanken Ihren Schmerz positiv beeinflussen.
Gemeinsam zu mehr Lebensqualität
Chronische Schmerzen sind eine Herausforderung, aber Sie müssen diese nicht allein bewältigen. Im Fokus des Therapieprogramms „Intensiv“ im Moorheilbad Harbach stehen die gezielte Schmerzlinderung und die Entwicklung wirksamer Strategien zur Schmerzbewältigung. Individuell abgestimmte Therapien können Schmerzen lindern und zu einer Verbesserung der Lebensqualität beitragen. Nähere Informationen: www.moorheilbad-harbach.at/chronische_beschwerden


